
Das Werk „Ochsenkopf“ aus der Serie „My own structure“ bewegt sich an der Grenze zwischen Figuration und Abstraktion. Der Titel verweist zunächst auf den kraftvollen Kopf eines Ochsen – ein uraltes Symbol für Stärke, Ausdauer und Erdverbundenheit. Doch das Bild erzählt weit mehr als die Darstellung eines Tieres. Es wird zu einer Reflexion über die elementaren Kräfte, die den Menschen prägen, und über die innere Struktur, die notwendig ist, um diese Kräfte in Balance zu halten.
Die Komposition entwickelt sich aus einem dichten Geflecht von Linien, Farbschichten und reliefartigen Strukturen. Aus diesem vielschichtigen Bildraum tritt die Assoziation eines Ochsenkopfes hervor, ohne sich vollständig festzulegen. Die Formen scheinen sich fortwährend zu verändern und laden den Betrachter dazu ein, immer neue Zusammenhänge zu entdecken. Das Motiv erscheint wie aus dem Material selbst herausgewachsen – kraftvoll und zugleich geheimnisvoll.
Der Ochse steht seit jeher für Beständigkeit, Geduld und die Fähigkeit, große Lasten zu tragen. Im Kontext der Serie wird er zum Sinnbild einer inneren Haltung. Seine Kraft wirkt nicht aggressiv, sondern gesammelt und konzentriert. Sie entsteht aus Ruhe, Erfahrung und Standfestigkeit. Das Werk stellt damit die Frage, worauf sich der Mensch stützt, wenn äußere Sicherheiten ins Wanken geraten.
Charakteristisch für „My own structure“ ist das Spannungsverhältnis zwischen Ordnung und freiem Ausdruck. Die Bildoberfläche ist geprägt von Spuren des Arbeitsprozesses – Schichtungen, Kratzungen und Verdichtungen, die den Entstehungsprozess sichtbar machen. Dadurch gewinnt das Werk eine haptische Präsenz und vermittelt den Eindruck, dass Stabilität nicht aus Perfektion entsteht, sondern aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Erfahrungen und Einflüsse.
„Ochsenkopf“ ist eine Einladung, über die eigene innere Struktur nachzudenken. Das Bild erzählt von der Kraft, die aus Verwurzelung erwächst, von der Ruhe, die im Widerstand entstehen kann, und von der Fähigkeit, auch unter großer Belastung die eigene Richtung zu bewahren. Es macht sichtbar, dass wahre Stärke nicht in Lautstärke oder Dominanz liegt, sondern in der Gelassenheit, mit der der Mensch seinen Weg geht.











