
Das Werk „Luftaufnahme“ aus der Serie „My own structure“ eröffnet eine Perspektive, die dem menschlichen Auge im Alltag meist verborgen bleibt. Es vermittelt das Gefühl, aus einem Flugzeug auf die Erde hinabzublicken – Landschaften, Felder, Wege und Strukturen verschmelzen zu einem vielschichtigen Gefüge, das zugleich geordnet und organisch wirkt.
Die Komposition entfaltet sich wie eine kartografische Erinnerung. Linien kreuzen sich, Flächen grenzen aneinander und verdichten sich zu einem Netzwerk, das an Flussläufe, Straßen, geologische Formationen oder landwirtschaftliche Parzellen erinnert. Die abstrahierte Bildsprache verzichtet auf eine eindeutige Zuordnung und eröffnet stattdessen einen Raum für individuelle Assoziationen. Mit zunehmender Betrachtung entstehen immer neue Landschaften, die sich dem Blick des Betrachters erst nach und nach erschließen.
Innerhalb der Serie „My own structure“ erhält die Vogelperspektive eine besondere Bedeutung. Der Abstand zur Erde verändert den Blick auf das Ganze. Einzelne Details treten zurück, während Zusammenhänge sichtbar werden. Was aus der Nähe unübersichtlich erscheint, fügt sich aus der Distanz zu einer eigenen Ordnung. Das Bild wird so zu einer Metapher für die Fähigkeit, das eigene Leben gelegentlich mit Abstand zu betrachten und darin verborgene Strukturen zu erkennen.
Die vielschichtige Oberfläche mit ihren Überlagerungen, Verdichtungen und offenen Bereichen erinnert an gewachsene Landschaften, die über lange Zeiträume entstanden sind. Jede Spur verweist auf Veränderung, jede Schicht auf einen vergangenen Prozess. Wie natürliche Erosion oder menschliche Eingriffe formt auch die Zeit die innere Struktur des Bildes.
Zwischen den klaren Linien und den freien, malerischen Passagen entsteht ein spannungsvolles Gleichgewicht. Die Komposition wirkt gleichzeitig ruhig und lebendig, kontrolliert und spontan. Sie vermittelt den Eindruck, als würde die Landschaft unter dem Betrachter langsam vorbeiziehen – ein flüchtiger Moment des Schauens, in dem das Vertraute plötzlich abstrakt und das Abstrakte überraschend vertraut erscheint.
„Luftaufnahme“ lädt dazu ein, den Blick zu weiten und über die eigene Perspektive hinauszugehen. Das Werk erzählt davon, dass Orientierung oft erst dann entsteht, wenn Distanz möglich wird. Aus der Höhe offenbart sich nicht nur die Struktur einer Landschaft, sondern auch die Erkenntnis, dass jedes große Ganze aus unzähligen kleinen Verbindungen besteht – gewachsen, verändert und doch in sich stimmig.









