
Das Werk „Nebel in der Stadt“ aus der Serie „My own structure“ widmet sich dem anonymen, flüchtigen Charakter urbanen Lebens. Die Stadt erscheint hier nicht als klar definierter Ort, sondern als atmosphärischer Zustand, in dem Sichtbarkeit und Auflösung ineinander übergehen. Der Nebel wird dabei zum bestimmenden Element einer Wahrnehmung, die Orientierung erschwert und zugleich neue, abstrakte Zusammenhänge sichtbar macht.
Die Komposition entfaltet sich wie eine aus der Vogelperspektive gesehene Stadtszene. Weiße, lineare Strukturen durchziehen die Bildfläche und erinnern an Gebäude, Straßenzüge und urbane Raster. Sie wirken wie ein geometrisches Geflecht, das sich unter einer dichten Schicht aus Smog und Nebel nur fragmentarisch offenbart. Die Stadt erscheint dadurch zugleich organisiert und entgrenzt – eine Struktur, die vorhanden ist, aber nicht vollständig greifbar wird.
Innerhalb der Serie „My own structure“ steht dieses Werk für die komplexen Ordnungen des modernen Lebensraums. Die Stadt ist ein System aus Bewegung, Verdichtung und permanenter Veränderung. Im Zustand des Nebels verliert sie jedoch ihre klare Lesbarkeit und verwandelt sich in ein Feld aus Andeutungen. Genau in dieser Unschärfe entsteht eine neue Form von Wahrnehmung, die weniger auf Details als auf Zusammenhänge reagiert.
Der Smog legt sich wie eine zweite Schicht über die urbane Struktur und verändert die Beziehung zwischen Betrachter und Bildraum. Was aus der Nähe fragmentiert wirkt, fügt sich aus der Distanz zu einem größeren, rhythmischen Ganzen. Die Stadt wird zu einem Organismus, dessen Atem sich im Wechsel von Sichtbarkeit und Verdeckung ausdrückt.
Die vielschichtige Oberfläche des Werkes verstärkt diesen Eindruck von Überlagerung und Dichte. Linien und Flächen scheinen sich gegenseitig zu durchdringen, ohne sich vollständig aufzulösen. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Ordnung und Unsicherheit, zwischen technischer Struktur und atmosphärischer Auflösung.
„Nebel in der Stadt“ ist eine poetische Reflexion über das urbane Dasein im Zustand der Unschärfe. Das Werk lädt dazu ein, die Stadt nicht nur als architektonisches Gebilde zu betrachten, sondern als lebendige, sich ständig wandelnde Struktur. Im Nebel verliert sie ihre Eindeutigkeit – und gewinnt gerade dadurch eine neue, stille Tiefe.





