
Das Werk „Am Gletscher“ aus der Serie „My own structure“ widmet sich der Erfahrung von Zeit, Stille und geologischer Langsamkeit. Der Gletscher erscheint dabei nicht nur als Naturphänomen, sondern als Sinnbild für gespeicherte Zeit – für Schichten aus Vergangenheit, die sich verdichten, verschieben und unter dem Druck der eigenen Geschichte formen.
Die Komposition entfaltet sich in vielschichtigen, kristallinen Strukturen, die an Eisformationen, Spalten und gefrorene Bewegungen erinnern. Helle, fast lichtdurchlässige Bereiche stehen im Kontrast zu verdichteten Zonen, in denen sich die Oberfläche zu massiven, tektonischen Formationen zusammenzieht. Dadurch entsteht der Eindruck eines stillen, aber kraftvollen Prozesses, der sich unter der Oberfläche fortsetzt.
Innerhalb der Serie „My own structure“ steht der Gletscher für eine innere Struktur, die durch Zeit geprägt wird. Wie das Eis die Spuren vergangener Jahre in sich trägt, so bewahrt auch der Mensch Erfahrungen, Erinnerungen und Veränderungen, die sich Schicht für Schicht ablagern. Nichts verschwindet vollständig – alles bleibt als Teil eines größeren Zusammenhangs erhalten.
Die Bildsprache vermittelt eine Atmosphäre von Kälte und Klarheit, zugleich aber auch von fragiler Schönheit. Der Gletscher wirkt stabil und monumental und ist doch ständig in Bewegung. Diese Ambivalenz – zwischen Dauer und Veränderung – prägt die gesamte Komposition und verweist auf die Verletzlichkeit selbst der scheinbar festesten Strukturen.
Die vielschichtige Oberfläche macht diesen Prozess sichtbar. Überlagerungen und feine Brüche erinnern an das langsame Arbeiten von Druck, Temperatur und Zeit. Das Bild wird so zu einer Landschaft des Werdens, in der Veränderung nicht als plötzlicher Bruch, sondern als kontinuierlicher Prozess erfahrbar wird.
„Am Gletscher“ ist eine poetische Reflexion über Zeitlichkeit und innere Verdichtung. Das Werk lädt dazu ein, die eigene Struktur als etwas Gewachsenes zu verstehen – als etwas, das sich über lange Zeiträume formt, verfestigt und zugleich in ständiger Transformation bleibt. In der Stille des Gletschers offenbart sich eine tiefe Bewegung, die unter der Oberfläche weiterwirkt.







