
Das Werk „In your face“ aus der Serie „My own structure“ setzt sich mit unmittelbarer Konfrontation, Präsenz und der Verdichtung von Wahrnehmung auseinander. Der Titel verweist auf eine direkte, fast unvermittelte Begegnung – eine Situation, in der sich der Blick nicht ausweichen kann, sondern sich dem Motiv stellen muss.
Die Komposition ist geprägt von einer starken Nahsichtigkeit. Formen und Strukturen treten dicht an den Bildraum heran und erzeugen den Eindruck einer übersteigerten Präsenz. Was zunächst wie ein Gesicht, eine Maske oder eine fragmentierte Figur erscheinen kann, bleibt bewusst ambivalent und löst sich im weiteren Sehen in abstrakte Strukturen aus Linien, Schichtungen und farblichen Verdichtungen auf.
Innerhalb der Serie „My own structure“ steht dieses Werk für jene Momente innerer und äußerer Konfrontation, in denen Wahrnehmung nicht distanziert, sondern unmittelbar erfolgt. Es geht um das Aufeinandertreffen mit dem Eigenen, mit dem Anderen oder mit einer Emotion, die sich nicht filtern lässt. Die Struktur des Bildes wirkt dabei wie ein verdichteter psychischer Raum, in dem sich Eindrücke überlagern und verstärken.
Die Bildoberfläche ist intensiv aufgebaut. Schichten scheinen sich nach vorne zu schieben, während andere Bereiche zurückweichen oder sich auflösen. Dadurch entsteht ein pulsierendes Spannungsfeld zwischen Nähe und Überforderung, zwischen Klarheit und Auflösung. Der Blick wird nicht geführt, sondern herausgefordert – er bleibt im direkten Kontakt mit der Bildenergie.
Gleichzeitig offenbart sich in dieser Intensität eine besondere Form von Erkenntnis. Das Unausweichliche der Begegnung zwingt zur Auseinandersetzung, und gerade darin entsteht ein tieferes Verständnis für die eigene Wahrnehmung. Das Bild wird so zu einem Spiegel, der nicht beruhigt, sondern aktiviert.
„In your face“ ist eine radikale Reflexion über Präsenz und Wahrnehmung. Das Werk fordert dazu auf, sich der Intensität des Augenblicks zu stellen und die unmittelbare Wirkung von Formen, Strukturen und Emotionen nicht zu umgehen, sondern bewusst zu durchleben. In dieser direkten Konfrontation entsteht eine Erfahrung, die ebenso herausfordernd wie klärend ist.





