Thomas Hain

Pyramiden

Größe: 80 x 100 cm
Entstehungsjahr: 2021
Material: Öl auf Leinwand

Das Werk „Pyramiden“ aus der Serie „Walzentanz“ nimmt eines der ältesten und kraftvollsten Symbole der Menschheitsgeschichte auf. Seit Jahrtausenden stehen Pyramiden für Beständigkeit, Weisheit und die Verbindung zwischen Erde und Himmel. Ihre klare geometrische Form verweist auf Ordnung und Konzentration, zugleich aber auch auf das Streben nach Erkenntnis und spiritueller Entwicklung.

Im Bild lösen sich die Pyramiden von ihrer architektonischen Eindeutigkeit. Sie erscheinen als rhythmisch angeordnete Formen, die sich überlagern, ineinander übergehen und in einen lebendigen Dialog treten. Die charakteristischen Spuren der Walztechnik verleihen den geometrischen Strukturen eine überraschende Leichtigkeit. Aus der Strenge der Form entsteht Bewegung, aus der Statik entwickelt sich ein fließender Rhythmus.

Charakteristisch für die Serie „Walzentanz“ verbindet das Werk Gegensätze miteinander. Präzise Formen treffen auf spontane Walzbewegungen, Transparenz auf Verdichtung, Ruhe auf Dynamik. Die Bildoberfläche bewahrt die Spuren ihres Entstehungsprozesses und macht sichtbar, dass auch das scheinbar Unverrückbare einem fortwährenden Wandel unterliegt.

Die Pyramide besitzt seit jeher eine tiefe symbolische Bedeutung. Ihre breite Basis steht für die Verwurzelung im Irdischen, ihre Spitze weist zum Himmel und wird zum Sinnbild des menschlichen Strebens nach Bewusstsein und Erkenntnis. Sie verbindet Materie und Geist, Vergangenheit und Zukunft, das Sichtbare und das Unsichtbare. Im Werk vervielfacht sich dieses Symbol und wird Teil einer größeren Choreografie, in der jede Form mit den anderen in Beziehung steht.

Die Farbigkeit verleiht der Komposition Wärme und Tiefe. Übereinanderliegende Schichten erzeugen den Eindruck geologischer Zeiträume, verwitterter Steine oder vom Licht gezeichneter Landschaften. Gleichzeitig öffnen transparente Bereiche den Blick für neue Ebenen und lassen die Pyramiden beinahe schwebend erscheinen. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen Schwere und Leichtigkeit, Dauer und Veränderung.

Pyramiden“ ist ein Werk über die Suche nach Orientierung und innerer Ordnung. Es erinnert daran, dass wahre Stabilität nicht aus Unbeweglichkeit entsteht, sondern aus dem Gleichgewicht zwischen Verwurzelung und Entwicklung. Die Pyramiden werden zu Sinnbildern einer zeitlosen Weisheit, die den Menschen dazu einlädt, seinen eigenen Weg zwischen Erde und Himmel, Vergangenheit und Zukunft immer wieder neu zu finden.

crossmenu