Thomas Hain

Rad der Zeit

Größe: 70 x 160 cm
Entstehungsjahr: 2023
Material: Öl auf Leinwand

Das Werk „Rad der Zeit“ aus der Serie „Walzentanz“ widmet sich einem der ältesten Symbole der Menschheit – dem Kreis als Ausdruck des ewigen Werdens und Vergehens. Das Rad steht für den unaufhörlichen Fluss der Zeit, für die Wiederkehr der Jahreszeiten, den Rhythmus des Lebens und die Erkenntnis, dass jeder Anfang bereits das Ende und jedes Ende einen neuen Anfang in sich trägt.

Die Komposition entfaltet sich in kreisenden Bewegungen und rhythmischen Überlagerungen. Linien und Farbflächen greifen ineinander, verdichten sich und lösen sich wieder auf. Es entsteht der Eindruck einer kontinuierlichen Rotation, in der nichts verharrt und dennoch alles miteinander verbunden bleibt. Die Bewegung wirkt ruhig und kraftvoll zugleich – wie der Atem der Zeit selbst.

Charakteristisch für die Serie „Walzentanz“ ist die Sichtbarkeit des Entstehungsprozesses. Die Walze hinterlässt Spuren, die sich Schicht um Schicht überlagern und den Weg ihrer Bewegung bewahren. Jede neue Ebene trägt die Erinnerung an die vorhergehende in sich. So wird das Bild selbst zum Sinnbild der Zeit: Vergangenheit verschwindet nicht, sondern bleibt als Fundament des Gegenwärtigen erhalten.

Das Rad besitzt in vielen Kulturen eine tiefgehende symbolische Bedeutung. Es steht für die kosmische Ordnung, für den Kreislauf von Geburt, Wachstum, Reife und Vergänglichkeit sowie für die stetige Erneuerung allen Lebens. Es erinnert daran, dass Veränderung kein Ausnahmezustand ist, sondern das eigentliche Wesen der Existenz. Alles bewegt sich, alles wandelt sich und alles findet seinen Platz innerhalb eines größeren Zusammenhangs.

Die Farbigkeit unterstützt diese Vorstellung eines lebendigen Kreislaufs. Transparente Schichten lassen frühere Bildzustände durchscheinen, während kraftvolle Akzente neue Bewegungen hervorheben. Licht und Farbe scheinen sich in einem fortwährenden Rhythmus zu begegnen und verleihen der Komposition eine zeitlose Tiefe.

Rad der Zeit“ ist eine Meditation über Vergänglichkeit und Beständigkeit zugleich. Das Werk lädt dazu ein, den Lauf der Zeit nicht als Verlust, sondern als schöpferische Kraft zu begreifen. Es erinnert daran, dass jede Erfahrung Teil eines größeren Kreislaufs ist und dass in jeder Veränderung die Möglichkeit eines neuen Anfangs verborgen liegt. So wird das Rad zum Symbol einer Welt, die sich unaufhörlich erneuert und gerade darin ihre Schönheit und ihre innere Harmonie findet.

crossmenu