
Das Werk „Kriegerin“ aus der Serie „Walzentanz“ ist eine Hommage an die uralte Kraft des Weiblichen. Seine besondere Intensität erhält das Bild durch das verwendete Material: Die gesamte Bildfläche wurde mit Menstruationsblut geschaffen. Dieses seit Jahrtausenden mit Tabus belegte, zugleich aber zutiefst lebensspendende Medium wird hier bewusst aus seinem verborgenen Kontext gelöst und in den Raum der Kunst überführt.
In zahlreichen Kulturen galt Menstruationsblut als Träger einer besonderen spirituellen und schöpferischen Energie. Es symbolisiert den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen, von Tod und Neubeginn, von Reinigung, Fruchtbarkeit und Transformation. Es erinnert daran, dass alles Leben aus einem weiblichen Ursprung hervorgeht und dass Schöpfung immer auch Wandel bedeutet.
Die „Kriegerin“ kämpft nicht gegen einen äußeren Feind. Ihre Kraft entspringt dem Wissen um die eigene Herkunft und der Fähigkeit, Schmerz, Verletzlichkeit und Erneuerung miteinander zu verbinden. Sie verkörpert einen Archetyp, der nicht auf Dominanz, sondern auf Resilienz beruht. Ihre Stärke liegt in der Annahme der natürlichen Zyklen des Lebens und in der Fähigkeit, aus jeder Wandlung neue Energie zu gewinnen.
Die charakteristische Walztechnik verleiht der Bildoberfläche einen pulsierenden Rhythmus. Die Spuren des Materials überlagern sich, verdichten sich und öffnen sich wieder. Es entsteht eine lebendige Struktur, die an organisches Wachstum, fließendes Blut und die unaufhörliche Bewegung des Lebens erinnert. Der Entstehungsprozess bleibt sichtbar und wird selbst Teil der Aussage des Werkes.
Die Verwendung von Menstruationsblut ist dabei weit mehr als ein außergewöhnliches künstlerisches Material. Sie ist ein bewusstes Zeichen gegen jahrhundertealte Tabuisierungen des weiblichen Körpers und zugleich eine Rückbesinnung auf dessen schöpferische Würde. Was häufig verborgen oder mit Scham belegt wird, erscheint hier als Quelle von Kraft, Wahrheit und künstlerischer Authentizität.
„Kriegerin“ ist ein Bild über Transformation im ursprünglichsten Sinn. Es verbindet Körper und Geist, Materie und Symbol, Vergänglichkeit und Schöpfung. Das Werk lädt dazu ein, vertraute Vorstellungen zu hinterfragen und den weiblichen Zyklus nicht als Makel, sondern als Ausdruck einer tiefen, natürlichen und schöpferischen Macht zu begreifen. So wird die Kriegerin zur Hüterin des Lebens – nicht durch das Schwert, sondern durch die Kraft der Verwandlung.






